Digitalisierung im Handel – Deutschland hinkt hinterher

Die Digitalisierung schreitet unweigerlich voran, auch im Getränkehandel tut sich einiges

Deutschland ist beim Thema Digitalisierung kein Aushängeschild. Im Gegenteil: Im internationalen Vergleich hinken wir weit hinterher. Ob Bildung, Infrastruktur oder Handel – wir reagieren träge auf den Fortschritt, während andere Länder bei digitalen Produkten und Dienstleistungen schon wesentlich weiter sind. Allen voran die USA.

Vor allem der Einzelhandel tut sich schwer. Dabei gibt es einige Unternehmen mit durchaus guten Ideen wie einer Getränkehandel Software, die Prozesse vereinfacht und die Kosten dadurch reduziert. Doch weil der Einzelhandelsumsatz beinahe jährlich neue Rekorde bricht, sehen die Betreiber offensichtlich keine Notwendigkeit zum Umdenken. Dass der Onlinehandel den stationären Läden jedoch immer mehr Kunden streitig macht, wollen viele nicht sehen.

Neue Wege gehen

Die Disruption ist nicht mehr aufzuhalten. Amazon, Ebay und andere Marktplätze steigern ihren Anteil am Onlinehandel-Umsatz massiv. Mit Multi-Channel, Cross-Channel und Omni-Channel können Einzelhändler diesem Trend zumindest teilweise entgegenwirken und ihre Kunden dennoch erreichen. Unternehmen wie Saturn oder Hornbach machen es vor: Wer online bestellt, kann die Ware im Laden abholen – Click & Collect nennt sich dieser Service, der allerdings nicht mehr sonderlich innovativ ist.

Möglich wäre auch der umgekehrte Fall: im Laden bestellen und liefern lassen. Das wünschen sich laut einer Studie des IT-Branchenverbandes BITKOM 46 Prozent der Kunden. Fast genauso viele hätten gerne WLAN im Geschäft und 35 Prozent auf dem Smartphone Informationen in Echtzeit, ob das Produkt im Laden verfügbar ist. Mit ihrem Handy zu bezahlen ist hingegen nur 16 Prozent der Befragten wichtig, während sich doppelt so viele über ein Treueprogramm freuen würden.

Auch andere europäische Länder verschlafen den Trend

Dass Deutschland beim Omni-Channeling nur Mittelmaß ist, liegt zum einen an der aggressiven Preispolitik der Discounter, zum anderen an den vielen Familienunternehmen im Einzelhandel, die sehr konservativ agieren und sich neuen Technologien nur widerwillig öffnen. Deutschland ist allerdings in bester Gesellschaft, wie der Global Omnichannel Retail Index 2015 von PwC Strategy& zeigt. Auch Länder wie Frankreich und die Schweiz tun sich schwer bei der Digitalisierung des (stationären) Handels.

Anders sieht es bei den Onlinehändlern aus. Hier geht einiges. Doch auch die eCommerce-Unternehmen sind sich der digitalen Revolution bewusst. 54 Prozent rechnen mit mehr Konkurrenz durch andere Branchen, 30 Prozent mit steigendem Wettbewerb im direkten Umfeld. Das Problem ist, dass Onlinehändler oftmals einen technologischen Hintergrund haben und kaum oder gar keine Einzelhandelserfahrung. Kennen solche Firmen die Bedürfnisse ihrer Kunden wirklich?

Was möchte der Kunde?

Anbieter wie Amazon oder Zalando tüfteln in Tech-Hubs an immer neuen Ideen, um das Einkaufen noch einfacher und angenehmer zu machen. Innovative Start-Ups bringen stationäre Konzepte ins Internet, beispielsweise mit dem Verleih von Kleidung. Warum sollte man sich ein Brautjungfer-Kleid oder einen teuren Anzug kaufen? Meinespielzeugkiste.de verleiht äußerst erfolgreich Spielzeug. Wenn das Kind damit nicht mehr spielen will, werden Modellauto oder Puppe zurückgeschickt und man erhält etwas Neues.

Bei manchen Ansätzen steht nicht der Endkunde im Fokus, sondern der Händler. So gibt es Konzepte, mit denen die Wertschöpfungskette von Getränkeherstellern optimiert wird. Dabei helfen Apps und eine speziell für die Branche entwickelte Software. So reduzieren sich die Kosten durch mehr Effizienz. Natürlich müssen auch die Mitarbeiter geschult werden, um die Digitalisierung im eigenen Unternehmen mitzutragen. Doch nur 57 Prozent der deutschen Unternehmen investieren in eine derartige Weiterbildung des Personals. Wahrscheinlich ist auch das ein Grund dafür, dass Deutschland bei diesem Thema immer mehr den Anschluss verliert.

 

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